Todeslandschaften der Seele II

Fallbeispiel – Erste Therapiephase

Die o. g. Patientin wies also nicht nur einen Grossteil der im ICD-10 beschriebenen Symptomatik auf, sondern sie zeigte auch die von Rom und Benedetti beschriebenen Primärsymptome. So war sie beispielsweise im Sinne der Ich-Entgrenzung der Ansicht, jeder kenne die Gedanken der anderen und beschwerte sich in einer Therapiesitzung verärgert darüber, dass sie nicht verstehe, warum die Leute nicht sagen, was sie denken, wo doch sowieso klar sei, was sie denken würden, sie also keinen Grund hätten, es nicht auszusprechen. Von aussen betrachtet bekam man schnell den Eindruck, die Patientin lebe in ihrer eigenen Welt, sie schien häufig auf der sprachlichen aber auch auf der Verhaltensebene für andere unzugänglich. Bei dem was sie tat, wirkte sie sehr passiv. Oft schien es, als tue sie nichts. Wenn sie eine Aufgabe bekam, dann führte sie diese in der Regel anders aus als vorgegeben. Beispielsweise kürzte sie ein Werkstück um 18 statt um 15 cm. Häufig musste sie eigene Arbeiten wegwerfen, da sie nicht mehr verwendbar waren, was ihr nichts auszumachen schien. Möglicherweise konnte es ihr nur auf diese Weise gelingen, sich im Sinne des Negativismus dialogisch abzugrenzen und damit vor der Fusion mit dem Arbeitstherapeuten, d. h. einer weiteren mit Ich-Verlust verbundenen Fragmentierung, zu schützen. An dieser Stelle wird besonders deutlich, wie entscheidend eine psychodynamische Sichtweise auf die Patienten sein kann. Fehlt diese, kann sich das im Umgang mit ihnen negativ auswirken. Aus einem Alltagsverständnis heraus beispielsweise könnte man viele der schizophre-nen Patienten für zu wenig intelligent oder zu faul halten. Meiner Erfahrung nach entsteht ein solcher Eindruck im täglichen Umgang mit schizophrenen Patienten trotz des Wissens um das bestehende Krankheitsbild schnell.

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