Giuseppe

Das ist kein Wunder, dass man ein etwas schwereres Leben hat, wenn einen die Mutter streng und verbittert in einem Stall auf die Welt bringt. - Max Beckmann Mädchen mit gelber Katze (auf Grau)

Giuseppes Vater war ein Schreiner, der seine Schulden nicht begleichen konnte. alles verlor und verschwand. Seine Mutter, stets streng und nun auch verbittert, musste ihren Sohn am 17. Juni 1603 in einem Stall zur Welt bringen. Der Knabe war offenbar nicht der hellste. Stundenlang saß er da, verdrehte die Augen nach oben und hielt Maulaffen feil; die anderen Kinder nannten ihn bocca aperta, offenes Maul. Jahrelang war sein Körper mit Wunden übersät.

Das ist schon erschreckend, wenn man einen so blöden und offensichtlich hoffnungslosen Sohn hat. – Max Beckmann „Die Erschrockene (The Frightened Woman)“ 1947

Er liebte die Kirche und alles, was dazugehörte, doch sein Onkel, ein Priester, hielt ihn ungeeignet für ein geistliches Amt. Kapuziner nahmen ihn als Laienbruder auf und schickten ihn in die Küche, aber Giuseppe war ein hoffnungsloser Fall: er zerschlug Geschirr, ließ die Töpfe ins Feuer fallen, verwechselte Roggen und Weizen. Nach ein paar Monaten wurde er vor die Tür gesetzt, er kehrte zerlumpt nach Hause zurück und wurde dort von Onkel und Mutter gescholten.

Doch irgendwie fand er Arbeit in einem anderen Kloster, wo er sich um die Maultiere kümmerte, und seine Frömmigkeit, seine Jenseits-Gewandtheit, war so ausgeprägt, dass man ihn als Novizen aufnahm. Das Lernen fiel ihm schwer, und nur ein wundersamer Zufall bescherte ihm eine bestandene Prüfung: Der Bischof stellte ihm zufällig genau jene Frage, auf die er die Antwort wusste.

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