Willkommen!
Leave your troubles outside.
Noch bist du da
Wirf deine Angst
in die Luft
Bald
ist deine Zeit um
bald
wächst der Himmel
unter dem Gras
fallen deine Träume
ins Nirgends
Noch
duftet die Nelke
singt die Drossel
noch darfst du lieben
Worte verschenken
noch bist du da
Sei was du bist
Gib was du hast

* 11.05.1901, Czernowitz, Ukraine
† 03.01.1988, Düsseldorf, Deutschland
Rose Ausländer, (geb. Rosalie Scherzer), wird am 11. Mai 1901 als Kind einer jüdischen Familie in Czernowitz geboren.
Ein 1919 hier begonnenes Studium der Literatur und Philosophie bricht sie nach einem Jahr ab.
1921 wandert Ausländer nach New York aus (1926 Erhalt der amerikanischen Staatsbürgerschaft), wo sie „unter dem lieblosen Herzschlag der Uhren‘ als Bankangestellte und Journalistin tätig ist. 1923 heiratet sie Ignaz Ausländer.
Die Jahre zwischen 1941 und 1944 muß Ausländer gemeinsam mit ihrer Mutter und dem Bruder im Czernowitzer Ghetto verbringen, wo sie in einem Kellerversteck überlebt. Im Ghetto lernt sie auch Paul Celan kennen, den sie 1957 in Paris wieder trifft und der sie zu einer radikalen Veränderung ihres lyrischen Stils bewegte. Der von Hölderlin und Trakl geprägte, klassisch-getragene Duktus weicht nun einer schnörkellosen, dabei immer musikalisch-rhythmischen Klarheit.
In Memoriam Paul Celan
„Meine blonde Mutter
kam nicht heim“
Paul Celan
Kam nicht heim
die Mutter
nie aufgegeben
den Tod
vom Sohn genährt
mit Schwarzmilch
die hielt ihn am Leben
das ertrank
im Tintenblut
Zwischen verschwiegenen Zeilen
das Nichtwort
im Leerraum
leuchtend
* 23.11.1920, Czernowitz, Rumänien
† 20.04.1970, Paris, Frankreich
Paul Celan wird am 23. November 1920 als einziges Kind deutschsprachiger Juden in Czernowitz (Bukowina) geboren.
1947 ändert er seinen Familiennamen Antschel in Celan (Anagramm zu Ancel).
1942 werden die Eltern deportiert. Im Herbst des Jahres findet der Vater den Tod im KZ, die Mutter bald darauf durch einen Genickschuß.
Celan arbeitet als Zwangsarbeiter im Straßenbau und in einem Arbeitslager in Rumänien.
1952 heiratet er die Graphikerin Gisèle Lestrange.
1955 wird sein Sohn Eric geboren.
Vermutlich am 20. April 1970 wählt der Dichter den Freitod in der Seine.

Todesfuge
Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland
dein goldenes Haar Margarete
er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne
er pfeift seine Rüden herbei
er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde
er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz
Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland
dein goldenes Haar Margarete
Dein aschenes Haar Sulamith
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr andern singet und spielt
er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau
stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr anderen spielt weiter zum Tanz auf
Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags und morgens wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith er spielt mit den Schlangen
Er ruft spielt süßer den Tod der Tod ist ein Meister aus Deutschland
er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft
dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng
Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschland
wir trinken dich abends und morgens wir trinken und trinken
der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau
er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft
er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus
Deutschland
dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith

Meine blonde Mutter
kam nicht heim
