
Warum herrscht in der spätmodernen Gesellschaft mit ihren nahezu unbegrenzten Möglichkeiten der Lebensgestaltung nach wie vor die treue Paarbeziehung zwischen Mann und Frau vor? Dieses Rätsel untersucht Thomas Müller-Schneider, indem er den Sozialkonstruktivismus erweitert und biologische Grundlagen des menschlichen Liebeslebens in eine neuartige biokulturelle Sichtweise einbezieht.
Zahlreiche empirische Befunde zeigen, dass die spätmoderne Ordnung des Liebeslebens – anders als häufig vermutet – nicht durch gesellschaftliche Normen oder den Mythos romantischer Liebe bestimmt wird, sondern durch das biologisch begründete Streben nach einem möglichst schönen Liebesleben. Den meisten Menschen bietet die Paarbeziehung aufgrund biologisch angelegter Liebesgefühle ein optimales Liebesleben, was die heutige Vorherrschaft dieser Beziehungsform und eine neue Kultur der Liebe und Treue begründet, so die These.
Mit seiner inter- und transdisziplinären Untersuchung offeriert der Autor ein biokulturelles Rahmenkonzept mit breitem wissenschaftlichen Nutzen, das sich nicht nur für die Analyse des Liebeslebens einsetzen lässt, sondern in allen thematischen Bereichen, in denen sowohl biologische als auch sozial- und kulturwissenschaftliche Einflussfaktoren des Handelns relevant sind.
Rezensionen
»Ein Buch, dass ich dringend all denjenigen Kolleginnen und Kollegen empfehle, die Paare dabei begleiten, ihre Irritationen im Miteinander zu klären und zu bewältigen. Es untermauert eine Haltung, sich für deren Einmaligkeit und Exklusivität einzusetzen, auch wenn die Partner im Moment vielleicht keinen Zugang dazu haben …« – Rudolf Sanders, Beratung aktuell. Zeitschrift für Theorie und Praxis in der Beratung 4/2020
»Er rahmt dann Paarbindung und Liebe sozial- und evolutionsbiologisch ein, beleuchtet Liebesbindung neurowissenschaftlich, um schließlich via Ausleuchtung des Glücksstrebens zur spätmodernen Paarbeziehung zu gelangen. Dort geht es auf breiter empirischer Basis um die Messung von Liebesgefühlen, Gemeinsamkeit, Treue, um offene Beziehungen oder heimliches Liebesleben …« – Alexander Kluy, Psychologie Heute, Heft 10, Oktober 2020
»Ziel dieser Untersuchung ist es, die gesamte Liebesordnung und ihre strukturbildenden Kräfte in den Blick zu nehmen. Dabei arbeitet der Soziologe interdisziplinär und spart nicht mit Kritik an seiner Wissenschaft, die mit ›Scheinerklärungen‹ unser Liebesleben als kulturell determiniert darstelle. Es sei jedoch so, dass auch unser evolutionäres Erbe uns zur Liebe und Paarbildung dränge. Natur und Kultur seien keine Gegensätze, sondern miteinander verwoben. Ein spannendes Buch, auch für interessierte Laien von Erkenntnisgewinn …« – Christine Weber-Herfort, Publik Forum, kritisch – christlich – unabhängig, Nr. 7, 10. April 2020
