BL wünscht schöne Weihnachten!

Carl Larsson, Britas Nickerchen, 1895

„Betreutes Lieben“ wünscht schöne Weihnachten!

Wir machen ein Nickerchen.

(Nichts ist schöner als ein Nickerchen bei offenem Nenster, sagt der Mann mit dem Sprachfehler.)

Der Dortmunder Weihnachtsbaum

Göttliche Botschaft: Weihnachten ist ein Fest für jeden

Für viele ist ihr Christentum längst auf ein Häkchen in ihrer Steuererklärung geschrumpft. Dabei gibt es einen Jesus, an den auch sie glauben können.

Wären Pfarrer nicht so herzensgut, wie es ihre Religion verlangt, könnten sie am Heiligen Abend ihre Zuhörer fragen, wer eigentlich noch glaubt. Dass uns vor 2000 Jahren der Heiland geboren wurde zum Beispiel. Dass er der Sohn Gottes war, entsandt, um ein Königreich der Gerechtigkeit zu errichten.

Und wären die Besucher des Gottesdienstes so ehrlich, wie es dieser Heiland von ihnen verlangt hat, würden viele zugeben, dass sie ihre Frömmigkeit schon lange verloren haben; dass ihr Christentum mit den Jahren auf ein Häkchen in ihrer Steuererklärung geschrumpft ist und auf eine Liebe zur Tradition. Sie mögen das Krippenspiel, wie sie die Nordmanntanne vom Möbelhausparkplatz mögen, den Coca-Cola-Weihnachtsmann, das George-Michael-Lied im Autoradio, den Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt. Sie feiern die Geburt Jesu, wie sie den Hasen feiern, der die Schokoladeneier bringt, und was sie an Pfingsten feiern, wissen sie nicht genau, aber es ist schön, den Tag freizuhaben.

Für gläubige Menschen ist das eine Zumutung. Während die einen davon sprechen, dass Gott Mensch geworden ist, sagen die anderen, dass die Orgel einen schönen, warmen Ton hat und dass unter dem Tannenbaum hoffentlich eine Playstation liegt.

Die frühen Christen waren keine Esoteriker

Die Gottlosen meinen das nicht böse. Sie wissen eben, dass Tote nicht auferstehen, Menschen nicht aus Lehmklumpen geformt werden und Jungfrauen keine Kinder kriegen. Sie wollen nur etwas in Stimmung kommen. Also verstecken sie ihre Zweifel, und die Gläubigen fragen lieber nicht so genau nach, um nicht enttäuscht zu werden. Das ist der Weihnachtsfrieden, den die Menschen miteinander geschlossen haben; er lebt davon, dass niemand an ihn rührt.

Was dadurch jedes Jahr brüchiger wird, ist die Weihnachtsbotschaft selbst. Es gibt keine Grundlage mehr, sie miteinander zu teilen. Den Ungläubigen sind die ontologischen Bedingungen zu abenteuerlich, der Verkündigungsengel, das Über-das-Wasser-Laufen, die Himmelfahrt. Die Gläubigen wiederum sehen nicht, welchen ethischen Wert ein kommerzielles Lichterfest mit einem weißbärtigen Paketboten haben soll. Dabei könnte ein wenig Rückbesinnung beide Seiten miteinander versöhnen.

Die frühen Christen waren keine Esoteriker, sie hatten ein Programm. Das kleine Kind in der Futterkrippe brachte eine Botschaft, die auch für gottlose Seelen verstehbar ist. Man muss für sie nur das Weltliche betonen.

Es begab sich aber zu der Zeit, dass das Römische Reich in einer seiner östlichen Kolonien an einem See namens Genezareth den Fischfang kommerzialisierte und damit vielen einfachen Menschen die Lebensgrundlage nahm. Da lief ein Prediger herum, von dem sie sagten, er sei in Bethlehem geboren worden, wie König David, der damals schon 1000 Jahre tote, tapfere Kriegerkönig. Sie sagten außerdem, bei seiner Geburt seien Gelehrte aus dem Osten erschienen, wo die persischen Feinde Roms beheimatet waren. Diese Gelehrte hätten gesagt, der Kleine sei der König der Juden. Andere sagten, er sei der Sohn Gottes.

Wo der moderne Atheist an religiösen Hokuspokus denkt, hätte jeder antike Mensch an ziemlich weltlichen Hochverrat gedacht. Der Sohn Gottes war, wie jeder wusste, Kaiser Augustus, so stand es auf den Münzen. Und der König der Juden, das war Herodes, niemand sonst. Die Evangelien von Lukas und Matthäus sind auch politische Provokationen.

Jesus sagte, er wolle den ewigen Frieden – eine Unverschämtheit

Als Jesus älter war, sagte er den Menschen, es sei genug Brot und Fisch für alle da, so viel, dass selbst Tausende davon essen könnten. Auch das muss keine Zauberei gewesen sein, denn es stimmte ja, dass es genug gab, es wurde von Rom nur nicht gerecht verteilt. Im Königreich Gottes hingegen schon, da bekam beim Abendmahl jeder etwas. Es gab auch genug Fisch für alle. Die Römer waren nur der Meinung, dass der Fisch ihnen gehört. Sie hatten Land und See erobert.

Jesus predigte kein Himmelreich der Gerechtigkeit, sondern ein Königreich. Er sagte, er wolle den ewigen Frieden, was eine Unverschämtheit war, denn die Römer hatten schon den ewigen Frieden, er hieß Pax Romana und wurde mit Waffengewalt gemacht. Jesus aber meinte: Ewiger Frieden entsteht durch Gerechtigkeit. Und er betete: wie im Himmel, so auf Erden. Das verstanden die Römer sehr gut. Deshalb behandelten sie den Prediger nicht wie einen aufgeweckten jungen Mann mit interessanten Ansichten, sondern wie einen Aufrührer. Sie töteten ihn.

Die Geschichte ist in Wahrheit viel komplizierter, weil Religion und Politik im ersten Jahrhundert nicht getrennt wurden. Deshalb müssen die Gottlosen aber nicht gleich abschalten. Es gibt einen Jesus, an den auch sie glauben können, weil sein Programm richtige Werte beschwört. Seine Geburt zu feiern ist deshalb mehr als nur ein Winterfest.

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