Die Technik der freien Assoziation hat Freud selbst im Alter als
bedeutsamste Neuerung der Psychoanalyse und als methodischen
Schlüssel zu den Ergebnissen der Analyse bezeichnet. Der Autor
nimmt die Leserinnen und Leser mit auf einen Weg des besseren Verstehens der analytischen Methode, deren Aufgabe es ist, das »Terrain
des psychischen Innenlebens« zu eröffnen und Zugang zu ihm zu
ermöglichen. Er sagt, dass Methode und Ergebnisse der Psychoanalyse zueinander in einem konflikthaften Spannungsverhältnis stehen
können. »Die Methode ist ständig davon bedroht, den mit ihr erzielten Resultaten zum Opfer zu fallen!« Das Aufschließen der Psyche,
die empathische Offenheit gegenüber dem, was kommt, kann durch
»Wissen« verstellt werden. Dann liegen Verständnis und Deutung
immer auf der Hand. Der Therapeut kann sich als »Besserwisser« gar
nicht mehr öffnen. Demgegenüber muss es das Ziel sein, die »psychoanalytische Methode zum Arbeiten zu bringen«.
Die methodischen Grundregeln der freien Assoziation und der
gleichschwebenden Aufmerksamkeit werden in ihrer konzeptuellen
Spannung aufgezeigt, da sie eigentlich eine »Contradictio in Adjecto«
darstellen. Assoziationen sind nie frei und die Aufmerksamkeit ist
immer fokussiert. Die Regeln können gar nicht in aller Eindeutigkeit
befolgt werden, sie haben aber das Ziel, das Sprechen des Patienten
und das Hören des Therapeuten »zu befreien«, Konventionen aufzubrechen und eine innere Öffnung zuzulassen.
Die Entwicklung der psychoanalytischen Methode wird aus der
Geschichte der Psychoanalyse, ihren poetischen und wissenschaftlichen Wurzeln und Freuds voranalytischen Schriften und klinischen Erfahrungen abgeleitet. Die Psychoanalyse »misstraut dem Bekannten, dem Verständlichen, denn sie ist dem Unbekannten und Unbeherrschbaren auf der Spur«.

Wir sind körperlich.
In der Praxis der methodischen Anwendung stellt sich die Frage,
ob die methodischen Regeln eine Vorschrift oder eine Erlaubnis darstellen. Als Vorschrift gegen die inneren Vorschriften eines Zensors
des Über-Ichs gerichtet, hat die Regel etwas Befreiendes. Sie muss
nicht »sklavisch eingehalten« werden, sondern soll neugierig machen
»auf das, was gegen sie verstößt«. Dabei wird auch Lacans Formulierung aufgegriffen, dass die Deutungen des Therapeuten den Patienten
anregen und »Wellen schlagen« sollen. Der Autor hält fest: »Die Deutung soll nicht die Rätsel des Patienten lösen, sondern seine Zunge«.
Eine solche Methode kann auch gelernt werden, wobei das Ziel
des Lehrenden sein sollte, den Scholaren zur Emanzipation zu
bewegen und sich schließlich selbst überflüssig zu machen. In einer
Zusammenfassung hebt der Autor schließlich »zehn Prinzipien für
das Arbeiten mit freier Assoziation und gleichschwebender Aufmerksamkeit« hervor. Diese sind nicht zu befolgen, sondern zu beherzigen.
Ein spannendes, tiefsinniges und kluges Buch zur psychoanalytischen Methode, das nicht belehrt, sondern innerlich befreit.

Wir assoziieren stets frei und sind immer gleichschwebend aufmerksam.
