Laufen

Viele Menschen können beim Joggen gut abschalten. Genau das wird in bestimmten Fällen allerdings zum Problem.

geh einfach mal laufen
statt süßes zu kaufen
 
gerne auch noch rennen
doch das ziel nicht verkennen
 
mit Insa erforschen
die knochen, die morschen
 
auf oliver hören
mit runden betören
 
ja manche, die schnellen
laufen lieber im hellen
 
und andre, die weiten
wollen berlin schon bestreiten   
 
so kann jeder sich denken
aussuchen und lenken
 
kann streben und mühn
oder einfach nur fliehn
 
vor alltag und wehen
dem sitzen und stehen   
 
im großen und ganzen
mit Bewegungsglück tanzen
 
und am abend dann sei
gern beim erzählen dabei
 
über läufer und zeiten
und auch sonst allerlei

Laufen, um zu vergessen – Joggen kann helfen, den Alltag hinter sich zu lassen. Dahinter stecken zwei verschiedene Formen von Eskapismus. Die eine tut dem Wohlbefinden offenbar nicht so gut.

Joggen macht den Kopf frei – so berichten es viele, die gerne und regelmäßig laufen gehen. Doch in manchen Fällen hat das Laufen eine Schattenseite: wenn es dazu dient, vor den eigenen Problemen wegzurennen. Zu diesem Schluss kommt eine norwegische Forschungsgruppe in der Fachzeitschrift »Frontiers in Psychology«.

Wenn jemand einem Sport oder einer anderen Aktivität regelmäßig nachgeht, um sich vom Alltag abzulenken, spricht man von »Alltagsflucht« oder »Eskapismus«. Erforscht wurde das Phänomen bislang vor allem im Zusammenhang mit Computerspielsucht und anderen Mediensüchten. Das Team um den norwegischen Psychologen Frode Stenseng wollte nun wissen, welche Rolle es beim Laufen und bei der Laufsucht spielt.

Dazu befragten er und sein Team über soziale Medien Erwachsene, die nach eigenen Angaben regelmäßig – im Schnitt fünf Stunden pro Woche – joggen gingen. Die 115 Frauen und 112 Männer, im Mittel 43 Jahre alt, machten Angaben zu zwei Arten von Alltagsflucht: ob ihnen das Laufen positive Erfahrungen verschafft (»Wenn ich jogge, bin ich mit positiver Energie erfüllt«) und ob es negative Gefühle vertreiben soll (»Wenn ich laufe, versuche ich meine Probleme zu vergessen«). Außerdem gaben sie Auskunft zu ihrer Lebenszufriedenheit und zu Merkmalen von Sportsucht (»Ich laufe lieber, als Zeit mit meiner Familie und Freunden zu verbringen«).

Ergebnis: Beide Formen von Eskapismus waren mit Laufsucht verbunden, doch deutlich stärker die negative Form, bei der das Laufen dazu dient, den Alltag zu vergessen und negative Gefühle zu vermeiden. Sich mit dem Laufen positive Gefühle zu verschaffen, spielt bei Laufsucht offenbar eine kleinere Rolle. Die Form der Alltagsflucht hatte weder mit dem Geschlecht noch mit dem Alter der Befragten zu tun. Mit der Lebenszufriedenheit jedoch schon: Diese fiel umso höher aus, je mehr die Versuchspersonen beim Laufen positive Gefühle erlebten, und umso geringer, je mehr sie damit negative Gefühle vertreiben wollten.

Die geringere Zufriedenheit könnte zwar ebenso Ursache wie Folge des Laufens sein: Eine einfache Befragung lässt darauf keine Rückschlüsse zu. Die Forschungsgruppe folgert jedoch aus statistischen Analysen (so genannten Pfadanalysen) auf die Wirkrichtung: Demnach mindern sowohl Laufsucht als auch negativ motiviertes Laufen das Wohlbefinden. Laufen könnte so das Gegenteil dessen bewirken, wozu es eigentlich dienen soll.

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